Katja Suding

Katja Suding

Mein Leben

Kindheit

Mein Leben beginnt am 30. Dezember 1975 in Vechta. Mein großer Bruder ist schon da, der kleine folgt mir ein gutes Jahr später. Zuhause die traditionelle Rollenaufteilung: Mein Vater arbeitet als leitender Angestellter, meine Mutter kümmert sich um Haushalt und Kinder. Meine katholischen Eltern wählen konservativ. Kirche und Politik sind am Esstisch aber nur gelegentlich Thema. Auf der katholischen Mädchenschule bricht mein bisheriges Rollenbild: Statt Jungs sind es die Mädchen, die beim Sport Kampfgeist zeigen und in Physik Leidenschaft entwickeln. Obwohl ich nicht übermäßig fleißig bin und der lebensferne Lehrstoff mich nicht besonders interessiert, schaffe ich nach meinem Jahr in den USA ein sehr gutes Abitur. Ich mag meine Geburtsstadt, es drängt mich aber hinaus in die Welt.

Heimat

Aufgewachsen bin ich in der niedersächsischen Kleinstadt Vechta. Die CDU holt hier gewöhnlich ihr bundesweit bestes Ergebnis. Die Gegend ist nicht nur tiefschwarz, sondern auch sehr katholisch geprägt. Nach Hamburg führt mich 1999 mein erster Job in einem Internet-Startup. Ich spüre sofort, dass diese weltoffene Stadt mit ihrer Kultur und bunten Vielfalt meine neue Heimat werden soll. Bis heute ist sie es geblieben, Vechta ist mein Refugium. Seit Jahren wohne ich in den Elbvororten. Häufig zieht es mich ans Wasser. Sehe ich die Segler auf der Alster oder blicke rüber zum Hafen, durchfährt mich die Liebe zu dieser wunderbaren Stadt.

Familie

Meinen Mann lerne ich 1999 bei der Arbeit kennen: Ein Jahr später feiern wir Hochzeit, 2002 und 2004 bringe ich unsere Söhne Johann und Jacob zur Welt. Wir kümmern uns beide um sie, ich arbeite erst nebenbei als freie Beraterin, mit dem Wechsel in die Politik übernimmt mein Mann das Kommando zuhause und ich den Fulltime-Job. Unabhängig davon geht unsere Beziehung 2012 zu Ende. Ich ziehe ein paar Ecken weiter in eine eigene Wohnung im Hamburger Westen, bleibe für die Kinder aber sehr präsent und mit meinem Mann in freundschaftlicher Verbindung.

Job

Mein erstes Geld verdiene ich als Schülerin: Vom Fließband einer Geflügelschlachterei über Jobs als Zimmermädchen und im Supermarkt nutze ich jede Gelegenheit, mir das Taschengeld für mein Schuljahr in Amerika zu erarbeiten. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften in Münster starte ich in meinen Beruf als Beraterin für Public Relations. Ich arbeite meistens freiberuflich für verschiedene Hamburger Agenturen, wo ich mich um große Kunden aus der Mode-, Einrichtungs- und Automobilbranche kümmere.

FDP

Die Auseinandersetzung mit der traditionell konservativen Prägung meiner Heimat führt mich zu den Freien Demokraten. 2006 trete ich in die Partei ein. Weil ich mich engagieren möchte für Werte, die mir viel bedeuten, vor allem Freiheit und Selbstbestimmung. Im Programm der FDP sehe ich mein Grundverständnis unserer Gesellschaft konsequent verankert: ,Guck’ nicht auf das, was andere für Dich tun können, sondern mach’ es selbst.’ Danach lebe ich seit meiner Jugend – ich wollte nie abhängig sein von irgendwem oder irgendwas.

Quereinstieg

Kein herausragendes Amt oder Mandat strebe ich zum Start meiner Mitgliedschaft in der FDP an. Ich möchte kreative Unterstützerin aus der zweiten Reihe sein. Die Partei wählt mich ein Jahr später in den Vorstand des Kreisverbands Blankenese und 2009 in den Landesvorstand, mein Fachgebiet wird die Haushaltspolitik. Die von vornherein chancenlose Bundestagskandidatur bringt 2009 erste Medienkontakte mit sich, Bürger sprechen mich auf der Straße an. Als Ende 2010 die schwarz-grüne Koalition bricht, ist es der Landesvorsitzende Rolf Salo, der mich als Spitzenkandidatin der seit 2004 nicht mehr in der Bürgerschaft vertretenen FDP ins Spiel bringt. Ich nehme die Herausforderung an – ohne zu erahnen, welchen Rummel mein Quereinstieg auslösen wird. Mit der Wahl zur Fraktionschefin konzentriere ich mich auf die Politik, mein Job als PR-Beraterin pausiert.

Bürgerschaft

Am 7. März 2011 konstituiert sich die Bürgerschaft. Erst diese Sitzung führt mir die Bedeutung unseres Wahlerfolgs vor Augen. Es beginnen vier aufregende, ereignisreiche Jahre. Mein Mandat mit Sitz in drei Ausschüssen und der Fraktionsvorsitz fordern mich jede Woche zwischen 70 und 80 Stunden. Seit November 2014 kommt der Landesvorsitz der FDP Hamburg hinzu. Ich liebe die konstruktive Teamarbeit, die Entwicklung von Positionen und Ideen, mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Vor vielen Menschen zu reden zählt aber noch immer nicht zu meinen Lieblingsaufgaben. Denke ich an die Ziele zurück, mit denen ich 2006 in die Partei eintrat, erfüllt mich Demut vor dem, was passiert ist.

Neugier

Ich mache gern neue Erfahrungen. Wahrscheinlich ist es diese Lust, die mich antreibt. Die mich auch in schwierigen Situationen vor großen Herausforderungen nicht zurückschrecken lässt. Meine Neugier gibt mir Ruhe, Kraft und Zuversicht. Sie verwurzelt mich und lässt mich Stürmen Stand halten. Neues treibt mich an. Routine erweckt in mir schnell Langeweile.

Sport

Bewegung tut mir gut. Komme ich ein paar Tage nicht zum Sport, fehlt mir etwas. Auf dem Crosstrainer zuhause im Wohnzimmer oder beim Schwimmen mit meinen Söhnen schalte ich ab. Der Stress weicht, kreative Ideen entstehen wie von selbst. Immer wieder probiere ich etwas Neues aus: Yoga, Klettern, Hamburg-Marathon mit der „Elbstaffel“ oder auch mal Fußball – wie bei „Kicken mit Herz“ zu Gunsten herzkranker Kinder.

Meine Politik

Haltung

Politikerin zu sein, heißt für mich zu wichtigen Aspekten unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine Haltung zu haben. Über allem steht die Freiheit der individuellen Selbstverwirklichung. Der Einzelne entscheidet, wie er leben will. Nicht Politiker. Das ist die Basis einer intakten Gesellschaft. Obrigkeitsstaatliche Bevormundung und Engstirnigkeit sind mir fremd. Unabhängigkeit, Verantwortung und Toleranz sind Werte, die meine politische und persönliche Haltung bestimmen. Vorurteile und Ressentiments lehne ich ab. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass Vielfalt und selbstbestimmte Lebensentwürfe das Beste sind, was einer Gemeinschaft passieren kann.

Hamburg

Mit meiner politischen Arbeit engagiere ich mich für die Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Stadt, in der ich lebe und die ich liebe. Alle sollen den Wohnraum bekommen, den sie suchen. Jeder soll den Job finden, der ihn ernährt und erfüllt. Eltern sollen Hamburg als Heimat ihrer Kinder schätzen. Die Stadt soll Gründer und Ideen anziehen, kleine wie große Unternehmen sollen hier wachsen können und sich gut behandelt fühlen. Menschen, die aus Krisenregionen zu uns fliehen, brauchen Hilfe. Hamburg soll in der Welt als moderne Metropole mit herzlichen Bewohnern, kraftvoller Wirtschaft und lebendiger Kulturszene von sich reden machen.

Bildung

Alle Kinder sollen die Chance bekommen, dass gute Pädagogen ihre individuellen Potenziale stärken. Kein Kind darf davon ausgenommen sein – egal, aus welchem Elternhaus und welchem Stadtteil es kommt. Das gilt nicht erst für die Schule, sondern schon für frühkindliche Bildung in Kitas. Geeignete Lehramtskandidaten sollen die bestmögliche Ausbildung erhalten, um lebensnahen Unterricht zu gestalten. Hochbegabte Schüler müssen gefördert, schwache gestärkt werden. Hamburgs Universitäten haben eine höhere politische Wertschätzung verdient. Nur starke Hochschulen fördern Innovationskraft.

Familie

Mein Ziel ist es, den Betreuungsschlüssel in Hamburgs Krippen und Kitas spürbar zu verbessern. Die Kritik von Betreuern und Eltern an der viel zu geringen Personalversorgung teile ich. Hamburg braucht kleinkindgerechte Bildungseinrichtungen, keine Aufbewahrungsstellen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf können wir verbessern, in dem wir einen Rahmen schaffen, in dem Unternehmen ihren Mitarbeitern Freiheiten wie individuelle Arbeitszeiten bieten können. Bei allem politischen Handeln sollten wir eine Frage stets positiv beantworten: Ist das kinderfreundlich?

Unternehmen

Wenn die Stadt sich an Unternehmen beteiligt oder sie kauft, ist das für den Steuerzahler teuer und meistens nicht gut. Fast immer sind private Betreiber die besseren Betriebswirte. Politik soll für beste Bedingungen sorgen, Weichen stellen, sich auf die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft besinnen. In Hamburg heißt das: Stärkung laufender Motoren wie der Hafenwirtschaft z.B. durch Investitionen in die Verkehrswege, Förderung von Innovationen und Unterstützung von Startups in allen Branchen.

Mobilität

Der Verkehr in unserer Stadt muss fließen, das hilft allen – auch der Umwelt. Unkoordinierte Baustellen und veraltete Verkehrsleitsysteme provozieren unnötige Staus. Projekte wie die Busbeschleunigung kosten viel und bringen wenig. Die Erweiterung des Streckennetzes von Bussen und Bahnen sowie die Erhöhung der Taktung, die Einrichtung von Velorouten und die Sanierung der Straßen sind gleichermaßen wichtig. Ich unterstütze Innovationen wie Carsharing, E-Mobilität und Stadtrad. Vereinfachungen der Systeme und Angebote, Knotenpunkte zum Umsteigen und frequenzabhängige Ampelschaltungen erhöhen die Effizienz und sorgen für weniger Stress bei der Fortbewegung.

Geld

Bei allem, was die Politik mit dem Geld der Steuerzahler anstellt, geht es um Verantwortung gegenüber unseren Kindern und Enkeln. Wir dürfen nicht mehr ausgeben als in der Kasse ist. Aber das, was da ist, können wir besser verteilen. Kritisch müssen wir jeden Kostenpunkt hinterfragen, Tabus darf es dabei nicht geben. Ausgaben sparen kann die Stadt durch konsequente Minimierung von Risiken und deutlichen Stellenabbau – ohne dabei Existenzen zu gefährden.

Gemeinschaft

Unsere Solidargemeinschaft unterstützt denjenigen, der es alleine nicht schafft. Wer in einer Notsituation Hilfe empfängt, braucht Motivation und Unterstützung, um schnell wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Die meisten Menschen wollen und können ein selbstbestimmtes Leben in eigener Verantwortung führen. Leider entsteht zu oft der Eindruck, unser Sozialstaat biete dazu eine bequeme Alternative – in dem er den, der dies vorzieht, wie ein unmündiges Kind an die Hand nimmt und durchs Leben führt. Ich lehne dies ab, es schadet unserer Gemeinschaft.